Sie sind hier: Startseite » Aktuelles

Bürgerinfo

Denkmaleinweihung Friedhof, 09.05.2019

Mein lieber 1. Beigeordneter Christian Große, sehr geehrter Herr Rudolf Osburg (14.06.1930, 88 Jahre alt), meine lieben Kollegen aus der Politik, des Heimatvereins, mein lieber Ortschronist Dr. Dr. Vette,

mein Name ist Frank Ringel. Ich bin seit 15 Jahren hier Ortsvorsteher und möchte aus gegebenem Anlass einige Worte an Sie richten, da ich das Projekt seit 2012 begleitet habe.

Ich freue mich, dass es heute endlich so weit ist und wir dieses neue Denkmal, auch als Erinnerung an das einst auf dem Dorfplatz stehende und im Volksmund genannte „Kriegerdenkmal“, jetzt an der richtigen Stelle - auf unserem kommunalen Friedhof - einweihen können.
Dies ist der Ort, an dem sich unsere Bürger zurückziehen können, um sich an ihre verstorbenen Familienmitglieder, Freunde und Bekannte zu erinnern. Selbstverständlich gehört zu dieser Erinnerungskultur auch ein Denkmal, welches uns an die Kriege und Opfer in dieser Welt mahnend erinnern soll. So starben an den Folgen der Kriege aus Töplitz nachweislich ca. 127 Bürger im 1. und im 2. Weltkrieg. Das zeigt mir die Unsinnigkeit jeglicher Kriegsgewalt, die in der ganzen Welt Millionen Menschenleben forderte. Gestern vor 74 Jahren wurde der 2. Weltkrieg mit der Kapitulation Deutschlands beendet.
Eines der Opfer war Alfredo Gericke, der Bruder Ihrer Frau Gertrud. Sie war eine geborene Gericke und wohnte in Töplitz mit ihrer Familie. Mein verstorbener Opa, Schneidermeister Edmund Kusche aus Töplitz, kannte Ihre Frau und deren Familie noch persönlich als Kunden.

Nach dem 2. Weltkrieg wollte man auch die Namen der gefallenen Soldaten auf dem im 1. Weltkrieg erbauten Denkmal auf dem Dorfplatz verewigen. Dazu kam es nicht mehr, da der Obelisk des Denkmals abgerissen wurde und es blieb nur die Anhöhe bestehen, die ich als Kind auch noch kennengelernt habe.

Das Podest wurde dann ebenfalls Ende der 60-iger Jahre zwecks Straßenverlegung auf dem Dorfplatz entfernt, sodass damit alle Spuren des einstigen Denkmals an die Kriegsgefallenen im Ort verschwunden waren.

Am 15. März 2012 erhielt ich dann Ihren Brief - Herr Osburg- über die Stadtverwaltung Werder mit dem Vermächtnis Ihrer verstorbenen Frau, in dem sie sich ein Erinnerungsdenkmal wünschte und die Hälfte ihres Erbes an Wertpapieren dafür testamentarisch einsetzte.

Was lange währt, wird gut. Ich denke, wir haben würdevoll das Vermächtnis Ihrer Frau an dieser Stelle und in der gewählten Art einer Weltkugel mit der Aufschrift:
„Den Opfern von Kriegen in aller Welt“ umgesetzt.

An diesem Satz haben der Ortsbeirat, die Stadtverwaltung und das Architekturbüro sehr lange gefeilt und er ist so gewählt, dass ihn jede Generation versteht und er auch in Zukunft immer aktuell bleibt. Das war unser Ansinnen, welches wir hier in der ehemaligen Heimat Ihrer Frau mit ihr teilen.

Auch meine und viele andere Familien in unserem Ort erlitten Verluste aus den beiden Weltkriegen. Einer meiner Urgroßväter ist im 1. Weltkrieg gefallen. Der zweite Uropa hat keine Waffe angefasst, spielte Militärmusik und überlebte. Meine beiden Großväter sind verwundet aus dem 2. Weltkrieg zurückgekehrt und erklärten mir den Krieg als unmenschliches Mittel von Gewalt.

Ich bin die erste Generation, man kann sagen: wir, mein 1. Beigeordneter und Kollegen, sind die erste Generation, die hier keinen Krieg mehr erleben musste und ich denke, dass wir darauf sehr, sehr stolz sein können, im Frieden aufgewachsen zu sein.

Das höchste Gut ist somit der Frieden, an den uns im Umkehrschluss der Satz Ihrer Frau Gertud im Testament und im Denkmal erinnert, der lautet: „Unsere Toten sind in fremder Erde.“ Und das darf nie wieder geschehen, damit gehen wir mit Ihrer Frau in Gedanken konform.


Sehr geehrter Herr Osburg,

der Töplitzer Ortsbeirat möchte sich bei Ihrer Frau postum und bei Ihnen persönlich für das Vermächtnis in Form eines Denkmals bedanken, welches unseren Friedhof und auch den Ort aufwertet und Ihnen zur Erinnerung ein Bild mit dem alten und neuen Denkmal überreichen. Die Bürger von Töplitz danken es Ihnen.

Ich möchte Sie im Anschluss noch in unser Inselzentrum auf dem Dorfplatz zu Kaffee und Kuchen einladen.

Ich bedanke mich für Ihre Aufmerksamkeit.



Fotos: Stadt Werder (Havel)

Pressemitteilung: Stadt Werder (Havel) ... [Hier]